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Warmer Winter sorgt für Arbeit in der preisgekrönten Anlage "Große-Dahlkamp"
Von Lukas Speckmann Münster. Dirk Hagedorn schneidet seine Rosen. Nichts Ungewöhnliches
für einen Kleingärtner; ungewöhnlich ist nur der Zeitpunkt, mitten im Januar. "Sie
haben schon zu treiben begonnen, da darf man nicht mehr lange warten", sagt
der 63-Jährige. Ob er jemals einen so warmen Winter erlebt habe? Da lächelt der
Gärtner und sagt leise "nein, wüsst’ ich nicht".
Dirk Hagedorn ist stellvertretender Vorsitzender des Kleingartenvereins
"Große- Dahlkamp", und das will was heißen. Die Anlage an der Wolbecker
Straße hat jüngst die Goldmedaille beim Bundeswettbewerb "Gärten im Städtebau"
gewonnen, gewissermaßen die deutsche Meisterschaft der Kleingärtner. Das steigt
den rund 150 Vereinsmitgliedern nicht zu Kopf.
Natürlich freuen sich alle, die älteren besonders, die sich mit
"Große-Dahlkamp" noch sehr stark identifizieren. Vorstand, Bezirksverband
und Stadt sind über den Prestigezuwachs auch sehr erfreut.
Aber der Kleingärtner an sich hat im Moment ganz andere Sorgen.
"Normalerweise herrscht hier im Januar totale Ruhe", sagt Dirk
Hagedorn. "Jetzt sieht man, dass die Leute im Garten sind." Der milde
Winter lässt es sprießen, ein bis zwei Monate vor der Zeit. Winterjasmin,
Ringelblume und Krokus blühen schon, Hecken und Bäume regen sich. Und wo die
Beete normalerweise von weißer Pracht bedeckt sind, warten Grünkohl, Rosenkohl
und Porree herbstfrisch auf ihre Ernte. Schlimm? Nein, meint der Gärtner, damit
werde die Natur schon fertig. Schlimmstenfalls richtet knackiger Frost noch mal
etwas Schaden an. Wann könnte der kommen? "Im Februar vielleicht, so um Karneval
rum."
"Große Dahlkamp" ist eine Bilderbuch-Anlage mit
gepflegten Wegen, sauber geschnittenen Hecken und properen Lauben.
Aber die ganz alte Schule, die noch auf strenge Einteilung
in Nutz-, Zier- und Erholungsgarten Wert legte, ist spürbar auf dem Rückzug.
Unkonventionelle Hochbeete, Weidentipis, Wege mit
Rindenmulch und Feuchtbiotope prägen immer mehr das Bild, und die Heckenhöhe entspricht
auch nicht immer den allerstrengsten Vorschriften. Das wird inzwischen etwas
gelassener gesehen: "Hauptsache, es sieht ordentlich aus." Früher,
bestätigt Dirk Hagedorn, sei es nicht zuletzt um den Gemüsegarten zur
Eigenversorgung gegangen. Heute spiele der Erholungs- und Freizeitwert eine immer
größere Rolle. Besonders bei den jungen Familien, deren Nachfrage dafür sorgt,
dass hier praktisch nie ein Garten leer steht.
Die Altersstruktur zeigt schon, dass Große-Dahlkamp in
Bewegung ist: Es gibt die Älteren über 65, die Jüngeren ab 25 - nur in der
Mitte fehlen ein paar Jahrgänge. Die Zukunft des Vereins ist also jung und
dynamisch und tut sich vielleicht etwas schwer, am klassischen Vereinsleben
teilzunehmen. Der Vorstand hält dagegen: Mit Spiele-Abenden im Vereinsheim,
Festen für jede Altersgruppe und Informationsveranstaltungen Rund ums Gärtnern.
Dieser Austausch ist besonders wichtig: Wer einen Garten übernimmt,
hat zwar in der Regel ein paar Vorkenntnisse. Aber es gibt im Gartenhandwerk eben
doch ein paar Grundlagen, die man sicher beherrschen muss. Da helfen die
Gartenwarte den jüngeren Mitgliedern, geben Tipps oder stellen Geräte zur
Verfügung. Denn eine Goldmedaille bei "Gärten im Städtebau" - das funktioniert
eben nur, wenn alle Hand in Hand arbeiten.
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