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Schauen, schnuppern und lernen im Arzneipflanzengarten Münster Von Burkhard Beintken Münster · Auch wenn der Volksmund es gerne so singt, der Enzian muss nicht immer blau blühen – er kann auchgelb sein. Und als solcher ist er eines der farbenfrohen Highlights im Arzneipflanzengarten Münster. In direkter Nachbarschaft zum Schlossgarten bietet der etwa zwei Hektar große Garten des Instituts für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie die Gelegenheit, schauend und schnuppernd Heilpflanzen zu entdecken. Und das nicht nur für angehende Apotheker und Lebensmittelchemiker: Der Institutsgarten steht jedem Interessenten offen.
Hier erfahren Studenten und Besucher, dass der Gelbe Enzian
wissenschaftlich Gentiana lutea heißt und als bitteres Magenmittel
angewendet wird, dass Spargel bereits im alten Griechenland als
entwässerndes Mittel bekannt gewesen ist oder dass man Pfefferminze
weltweit als Mentha piperita bestellen kann. Welche Mittelchen
Mutter Natur noch bereit hält, ist im Schaugarten zu sehen: Er ist in
Form des menschlichen Körpers angelegt, die einzelnen Organe wurden in
Beetform nachgebildet. Die zur Behandlung typischer Beschwerden
eingesetzten Heilpflanzen wachsen an der entsprechenden Stelle. Im
Lungen-Beet etwa sprießt Salbei gegen Husten. Im
Arzneipflanzen-System, dem Lehrgarten für die Pharmazie- Studenten,
sind die Pflanzen nach Familien geordnet. Hier stehen etwa Korbblütler
wie Kamille, Ringelblume, Arnika und Artischocke zusammen. Die
Lektionen der ersten Semester können oft beim Spaziergang im
idyllischen Institutsgarten gelernt und wiederholt werden. Auch von den
Lebensmittel- Chemikern: Für sie wachsen wenige Meter weiter Bohnen,
Erbsen und Salat. Lauschige Plätzchen zum Verweilen bieten Bänke
im Bereich der „Arzneipflanzen des Jahres“. Exotische Schönheiten
stehen in den Gewächshäusern – für tropische Heilkräuter ist das
westfälische Klima einfach nicht geeignet. Die Kultivierung der Wärme
liebenden Pflanzen aus fernen Ländern stellt die Gärtner vor besondere
Herausforderungen. Wie auch der Gelbe Enzian. „Der ist etwas
zickig“, sagt Gärtnermeister Lars Krüger schmunzelnd: Das Saatgut
verliert schnell die Keimkraft, die Jungpflanzen sind sehr anfällig.
Steht der Enzian dann endlich, will er aber auch bleiben, wo er ist:
Nach drei Jahren gilt er als nicht mehr verpflanzbar. Geöffnet
ist der Arzneipflanzengarten des Instituts montags bis donnerstags von
9 bis 16 Uhr sowie freitags von 9 bis 14 Uhr. Öffentliche Führungen
werden bis September immer am letzten Sonntag im Monat von 10 bis 12
Uhr angeboten. Individuelle Führungen sind aber nach Terminabsprache
auch möglich. Der Haupteingang zum Garten ist an der Hittorfstraße 56
rechts neben dem Instituts-Gebäude.
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