|
Wilm Weppelmanns „Freie Gartenakademie“ mit Philosophie eröffnet Von Markus Küper Münster. Seit Adam und Eva vom verbotenen Baume naschten, ist das Paradies verloren: Paradise lost! Das ganze Paradies? Nein. Kleingärtner wie Wilm Weppelmann behaupten, Gottes großer Garten sei nur geschrumpft. Eden kann überall sein. Auch zwischen frisch geharkten Kieswegen und sauber gestutzten Buchsbaumhecken. In einem paradiesischen Schrebergarten der Lüste. Was liegt näher, den Urfragen der Existenz dort nachzuspüren, wo alles begann und endet: in einem Garten. Genauer: in Weppelmanns Garten in der „Gartenanlage Langemarckstraße“.
Genau dort, inmitten der akribisch umfriedeten Natur, sitzt Dr.
Andreas Mussenbrock, der erste Gast von Weppelmanns „Freier
Gartenakademie“ und behauptet: „Jeder Garten ist Philosophie“. Dass er
Recht hat, daran zweifelt niemand. Wenn Mussenbrock erst einmal ins
Sinnieren gerät – über den Sündenfall im Garten Eden, den Zerfall
absoluter Einheit in unauflösbare Zweiheit, über den Abfall des
Menschen von Gott, kurz: über das Biblische schlechthin – macht er
seine Umgebung zum Gegenstand seines Vortrages. Und das alles unter
einem Baum, der dem Baum der Erkenntnis nicht unähnlich ist. Vor
ihm auf der Wiese, zwischen blubberndem Froschteich, Gartenlaube und
Gemüsebeet scharen sich die Gäste wie einst die Jünger vom
Gartenphilosophen Epikur. Aufmerksam lauschen sie seinen Ausführungen,
deren geistreicher Fluss nur kurz durch einen vorbeiflatternden
Fischreiher unterbrochen wird. Geist und Gefühl vermählen sich.
Selbst in der Enge dieser Kleingartenidylle weitet sich der Blick. Der
Urgarten, der seine Kinder einst in die Geschichte entließ, gibt ihnen
auf diesen wenigen Quadratmetern zumindest eine Idee vom Paradies
zurück. Wenn auch nur für eine Stunde. Ein Therapeutikum gegen die
postmoderne Vereinzelung ist das anschließende gemeinsame Plaudern
sowieso. Jedenfalls darf nicht nur der Heilkräuter- Interessierte
gespannt sein, was wohl passiert, wenn es bei Heinz Dalmühle bei der
nächsten „Freien Gartenakademie“ am 21. Juni um „Essbare Landschaft“
geht. Also darum, wie man die Früchte dieses Paradieses wieder
verspeist. Solange es nicht die verbotenen sind . . . |