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Das „Ems-Fest“ bringt Jugendlichen Flora und Fauna näher Von Martin Kalitschke Münster. „In meiner Freizeit“, sagt Rocky, „ist Natur für mich kein Thema. Da habe ich was anderes zu tun.“ Die Freundin treffen zum Beispiel. Fußball spielen. Oder Joggen. Für den 17-Jährigen Schüler der Kinderhauser Waldschule ist die Natur nicht mehr als eine stumme Kulisse für seine Freizeitaktivitäten.
Aktiv beschäftigt hat er sich mit Flora und Fauna bislang kaum. Ein
Einzelfall? Mitnichten, meint Dr. Thomas Fartmann vom Institut für
Landschaftsökologie der Universität. „Katastrophal“ sei es heutzutage
um das naturkundliche Wissen der meisten Schülerinnen und Schüler
bestellt. „Viele kennen sich da gar nicht mehr aus.“ Der Warendorfer
Pädagoge Dieter Kirch kann das nur bestätigen: „Für etliche Schüler ist
der Hirsch das Männchen – und das Reh das Weibchen.“ Die zahlreichen
Tier-Sendungen im Fernsehen tragen seiner Ansicht nach kaum zu einer
Beseitigung von Wissenslücken bei: „Die Schüler müssen Tiere und
Pflanzen anfassen können.“ Dazu hatten gestern 160 Jungen und
Mädchen aus zehn Schulen entlang der Ems am Institut für
Landschaftsökologie Gelegenheit – beim „1. Ems-Fest“, organisiert von
Dozent Fartmann und Christian Göcking von der Nabu- Naturschutzstation
Münster. Die Schüler bastelten, angelten und forschten. Einige kamen
dabei der Natur so nahe wie noch nie zuvor – womit eines der Ziele des
Festes erreicht war. Das andere Ziel: „Wir wollen den Aufbau eines
Schul-Netzwerks entlang der Ems fördern“, so Göcking. Auch bei diesem
Zusammenschluss soll es darum gehen, den Schülern Naturerlebnisse zu
ermöglichen. Ein Vorhaben, mit dem man nach Fartmanns Ansicht
nicht früh genug beginnen kann: „Wenn man das in den ersten 20
Lebensjahren nicht hinkriegt, dann kriegt man das überhaupt nicht mehr
hin.“ Gestern scheint er diesem Ziel ein Stück näher gekommen zu sein –
die Schüler, zwischen 10 und 18 Jahre alt, waren begeistert bei der
Sache. Vielleicht wird sich ja auch Rocky demnächst die Bäume etwas
genauer anschauen, wenn er mal wieder joggt.
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